Angststörung
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Wie entsteht eine Panikstörung?

Donnerstag, 2. Mai 2019



Die erste Panikattacke tritt häufig plötzlich und ohne Vorwarnung ein, und die meisten Betroffenen haben das Gefühl sie verlieren die Kontrolle über sich und ihren Körper. Obwohl der erste Panikanfall augenscheinlich plötzlich aus dem „Nichts“ aufgetreten ist, haben die meisten Panikpatienten vorher eine längere Phase von Stresszuständen durchlebt. Dies können beispielsweise andauernde Konflikte im Arbeitsleben oder im familiären Bereich sein. Aber auch Doppelbelastungen, lange Arbeitszeiten und finanzielle Schwierigkeiten können eine dauerhaft erhöhte Stressreaktion bei den Betroffenen im Vorfeld einer ersten Panikattacke vorgelegen haben. 


1. Was sind Risikofaktoren für eine Panikstörung?
  • Vorangegangene belastende Lebensereignisse 
  • stressreiche Lebensumstände
  • Fehlende Problemlösestrategien, welche zu dem Dauerstress führten
  • Hohes Leistungsstreben
  • Nicht „Nein-Sagen“ können
  • Angeborene Kreislauflabilität (z.B. niedriger Blutdruck, Neigung zu Schwindel)
  • Übersensibilität gegenüber stickiger Luft (keine frische Luft kann zu falschen Erstickungsalarm führen!

Häufig wird der erste Panikanfall aufgrund seiner heftigen Symptomatik als Herzinfarkt interpretiert und die Patienten suchen eine Notaufnahme oder einen Arzt auf. Obwohl ein Panikanfall sich innerhalb von wenigen Sekunden entwickeln kann, klingt er aufgrund der Halbwertzeit der Stresshormone nur langsam wieder ab. Das heißt, ein Panikanfall kann sehr viel Angst auslösen und Studien belegen, dass bereits nach 2-3 Panikanfällen der Aktionsradius der Betroffenen kleiner wird. Sie vermeiden es zunehmend Orte aufzusuchen, an welchen sie die ersten Panikanfälle erlebt haben und im laufe der Zeit nimmt das Vermeidungsverhalten zu.


2. Die häufigsten Symptome während eines Panikanfalls:
  • Unregelmäßiger Herzschlag
  • Hitzewallungen
  • Beklemmungsgefühle
  • Starkes Zittern
  • Benommenheit
  • Schwitzen
  • Atemnot
  • Schmerzen in der Brust
  • Angst zu sterben
  • Angst vor Ohnmacht

3. Eine Panikattacke ist kein Herzinfarkt

Ein erster Schritt für einen gesunden Umgang mit Panikattacken ist es, dass Betroffene die typischen Merkmale einer Panikstörung nicht als Herzinfarkt oder allergische Reaktion interpretieren, sondern verstehen, wie ihr Körper in diesen Situationen reagiert. Der Körper befindet sich in einen Alarmzustand und bereitet sich auf einen „Notfall“ vor. Beispielsweise fängt das Herz an schneller zu schlagen oder die Atmung verschnellert sich, so dass mehr Sauerstoff in den Blutkreislauf gelangt. Das heißt, der Körper bereitet sich auf eine schnelle Flucht aus der bedrohlichen Situation vor (z.B. Supermarkt, U-Bahn), die der Mensch als eng und bedrohlich interpretiert. Die katastrophisierenden Gedanken in der angstauslösenden Situationen, spielen eine wesentliche Rolle in der Aufrechterhaltung der Angststörung (z.B. ich werde sterben“; „ich werde ohnmächtig“).

Typische Gedanken während eines Panikanfalls sind:


• Ich werde mich gleich übergeben
• Ich werde sterben
• Ich werde in Ohnmacht fallen
• Ich werde ersticken
• Ich werde einen Herzinfarkt bekommen
• Ich werde mich nicht kontrollieren können
• Ich werde verrückt werden
• Ich werde erstarren

Aus diesem Grund stellen die Bearbeitung dieser negativen Gedanken auch einen wichtigen Therapiebaustein dar.


4. Wie entwickelt sich ein Panikanfall zu einer Panikstörung?


Nach den ersten Panikanfällen verhalten sich Menschen in einer spezifischen Weise, welche eine spätere Panikstörung zur Folge haben kann.
  • Problematische Wahrnehmung und Bewertung von Körperempfindungen („ich werde hier nicht mehr herauskommen“; „ich falle um“)
  • Vermeidungsverhalten von Situationen, die eventuell einen Panikanfall auslösen könnten
  • Kontrollstrategien (z.B. Einnahme von Beruhigungsmitteln, Begleitung durch Familienmitglieder zum Arbeitsplatz)




Erste Hilfe bei einem Panikanfall

Mittwoch, 3. Mai 2017


Angsttagebuch

Je besser Sie verstehen in welchen Situationen Ihre Angst auftritt, umso schneller werden Sie in der Lage sein mit diesen angstbesetzten Situationen in Zukunft umzugehen. Versuchen Sie jede Situation festzuhalten, in der Sie einen Panikanfall erlebt haben. Beschreiben Sie folgende Aspekte des Panikanfalls:
  • die Situation
  • die Tageszeit
  • Symptome, die während des Panikanfalls auftraten
  • Die Gedanken, die Sie während des Anfalls hatten
  • Ausmaß der Angst (0 = keine Angst; 10 = maximale Angst)

Beispiel eines Angsttagebuches einer fiktiven Patientin mit einer Paniksstörung


Durch das Festhalten der verschiedenen Situationen können Sie im Laufe der Zeit Muster erkennen, in denen ein Panikanfall eher vorkommt als in anderen Situationen. In dem oben dargestellten Angsttagebuch sehen Sie beispielsweise, dass die Patientin am 3. Tag nur eine schwache Ausprägung ihrer Angst erlebt, im Vergleich zu den anderen Tagen. An diesem Tag wurde die Patientin von ihrem Mann im Auto begleitet. Ein typisches Verhaltensmuster wäre hier zum Beispiel, dass die Panikanfälle eher auftreten, wenn die Patientin alleine unterwegs ist.

Entspannungs- und Atemübungen
Wenn Sie merken, dass ein Panikanfall sich möglicherweise ankündigt, versuchen Sie durch einfache Atem- und Entspannungsübungen wieder mehr Kontrolle über die Situation zu erhalten. Atem- und Entspannungsübungen sind wesentliche Bestandteile der Behandlung von Angststörungen. Es wird empfohlen diese Übungen mindestens drei Mal täglich durchzuführen. Das regelmäßige Üben hat den Vorteil ein generell höheres Entspannungsniveau im Alltag zu erreichen, aber auch in der Situation eines aufkommenden Panikanfalls eine Methode zur Hand zu haben, welche den Panikanfall eindämmt.

Atemübung
Nehmen Sie einen tiefen Atemzug durch Ihre Nase und zählen Sie bis 5. Lassen Sie dann den Atem langsam wieder durch Ihre Nase ausströmen. Versuchen Sie sich ganz auf das Zählen und den Atem zu konzentrieren. Versuchen Sie diesen Vorgang 10-15 mal zu wiederholen. Halten Sie während des Atmens die Hände auf den Bauch um Ein- und Ausatmung der Bauchmuskeln zu spüren.

Progressive Muskelanspannung (PMR)
Das Erlernen der progressiven Muskelanspannung ist in vielerlei Hinsicht eine sehr hilfreiche Methode für Patienten mit Angststörungen. Auch hier wird empfohlen das PMR regelmäßig mehrfach am Tag durchzuführen. Das Prinzip des PMR besteht aus der Anspannung und Entspannung der verschiedenen Muskeln. Sie können das PMR im Sitzen oder Liegen durchführen. Verschiedene Krankenkassen bieten kostenlose Audio-Files zum selbstständigen Üben und herunterladen an:

Techniker Krankenkasse (kurze und lange Version mit und ohne Musik):
https://www.tk.de/tk/broschueren-und-mehr/cd-und-dvd/cd-progressive-muskelentspannung/49432

Beenden Sie Vermeidungsverhalten!
Es ist sehr gut nachzuvollziehen, dass man Situationen vermeidet, welche in einem sehr starke körperliche und psychische Angstsymptome verursachen. Dennoch ist das Vermeidungsverhalten ein wesentlicher Aspekt dafür, dass sich eine Angststörung entwickelt und diese aufrechterhalten wird. Je mehr Patienten angstauslösende Situationen vermeiden (z.B. Vermeidung von Prüfungen bei Prüfungsangst), desto größer wird die Angst vor diesen Situationen.

Psychotherapie
Im Rahmen einer Psychotherapie lernen Sie mit den oben beschriebenen Themen umzugehen. Studien belegen der kognitiven Verhaltenstherapie nachweislich sehr gute Behandlungseffekte bei der Panikstörung und allgemein bei den Angststörungen. Klassische Bausteine der kognitiven Verhaltenstherapie sind beispielsweise:
  • Entspannungsverfahren
  • Umgang mit Vermeidungsverhalten
  • Erlernen von neuen Denkweisen im Bezug auf die Angsterkrankung
  • Rückfallprophylaxe

© Therapieblog
Maira Gall